Unterwegs auf dem Harzer Klosterwanderweg

„Pilgern ist nicht wandern – da bin ich genau“ sagt unsere Studierendenpfarrerin. Was ist dann aber Pilgern? Circa 39 bzw. 59 Kilometer waren wir, 18 Pilger*innen aus Weimar und Jena, am letzten Maiwochenende auf dem Harzer Klosterwanderweg unterwegs. Schweigend sind wir ganz bei uns. Ein Bibelvers lädt in der Stille des schweigenden Gehens zum Nachdenken ein. Wir schenken unserer Umgebung unsere Aufmerksamkeit. Redend und lachend begegnen wir einander. Wir lernen uns näher kennen. Glücklich, aber mit müden Füßen und verschwitzt kommen wir in der Herberge an. Singend sowie betend beschließen wir den Tag. Nicht das Ziel ist das Ziel, sondern der Weg. Pilgern ist ein Innehalten vom Alltag. Wir gewinnen neue Perspektiven auf denselben. Wir tanken Energie auf während wir Belastendes ablegen. Pilgern heißt unterwegs sein mit Gott und auf seine Wege vertrauen, auch wenn sie uns persönlich manchmal wie Umwege vorkommen - uns sich ihr Sinn erst mit Abstand erschließt. Wehmütig blicken wir auf ein eindrucksvolles Wochenende zurück und freuen uns auf das nächste Mal!

Jena, den 27.05.2018

 

Vergangenen Donnerstag feierten wir Christi Himmelfahrt. Das Ereignis wird in den biblischen Texten sehr postitiv geschildert, doch ich kann mir vorstellen, dass bei den Menschen vor Ort eine Menge Wehmut mitschwang. Nachdem Jesu (vorläufig) physischer Tod und seine Auferstehung einige Zeit zurücklag, hieß es nun, sich erneut zu verabschieden. Wieder hieß es, sich mit seiner physischen Abwesenheit abzufinden, wieder blieben Menschen mit Fragen, in eine unbekannte Zukunft blickend, zurück. Wenn wir Freunde für ungewisse Zeit ins Ausland oder eine andere Stadt verabschieden, kullert schließlich auch bei uns die ein oder andere Träne.

Jesus ebnete mit seiner Kreuzigung und Auferstehung den Weg zum ewigen Leben und verabschiedet sich nun vor den Augen seiner Anhänger, körperlich unversehrt, in eben jenes. Zwar schwingt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit, dennoch sind dabei wohl Zweifel auf Dauer nicht ausgeschlossen. Ich möchte hier das Bild der Wolke aufgreifen, in der Jesus laut Apg 1,9 emporgetragen wird: "Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen."
Eine Wolke verdeckt zwar das direkte Sonnenlicht, doch spürt man einen Teil seiner Kraft und Wärme auch durch sie hindurch. Man kann die Sonne zwar nicht immer sehen, doch weiß man stets, dass man ihr das Tageslicht verdankt.

Auf dass in Zeiten des Haderns euer Glaube die Zweifel überstrahlt! Haltet die Ohren steif.

Jena, den 13.05.2018

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja, halleluja!

Osterfreude ist bei mir untrennbar mit diesem Osterruf und Kanon verknüpft. Als ökumenische Gemeinde singen wir unsere Osterfreude mehrstimmig in den Ostermorgen, während die Sonne aufgeht.

„Dies ist nun das Leben. Es kommt nicht irgendwann einmal, wenn diese und diese und diese (vom Leben gestellten) Bedingungen erfüllt sind." (Klepper, 1934, S. 176)

 

Frühlingsbote

Jesus fasziniert und inspiriert mich. Er lässt sich von mir in keine Schublade schieben. Ich kann ihn nicht fassen. Er beweist sich nicht. Er begegnet offen und anerkennend allen Menschen und bricht so gesellschaftliche Zuschreibungen auf. Er befreit uns zu leben und zu lieben. Zu gern und zu oft überhören und überlesen wir die Radikalität seiner Botschaft. Wir klammern uns ängstlich an irgendwelche vermeintlichen Sicherheiten. Unser Vertrauen in Gott ist häufig klein. Auferstehung ist Versöhnung und Leben auch jetzt schon: versöhnt sein mit sich, mit anderen und mit Gott. Wagen wir es aus freien Stücken zu glauben, zu vertrauen und zu leben?! Gott geht es um dich ganz persönlich, um eine ganzheitliche Heilung von dir von innen heraus. Sie hat sich mit dir versöhnt und wartet darauf, dass du es auch tust, ihr Geschenk an dich annimmst. Er liebt dich. Ja, du bist gemeint.

Klepper, J. (1956). Unter dem Schatten deiner Flügel. Aus den Tagebüchern der Jahre 1932-1942 von Jochen Klepper. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt.

Lissabon, den 01.04.2018