Vergangenen Donnerstag feierten wir Christi Himmelfahrt. Das Ereignis wird in den biblischen Texten sehr postitiv geschildert, doch ich kann mir vorstellen, dass bei den Menschen vor Ort eine Menge Wehmut mitschwang. Nachdem Jesu (vorläufig) physischer Tod und seine Auferstehung einige Zeit zurücklag, hieß es nun, sich erneut zu verabschieden. Wieder hieß es, sich mit seiner physischen Abwesenheit abzufinden, wieder blieben Menschen mit Fragen, in eine unbekannte Zukunft blickend, zurück. Wenn wir Freunde für ungewisse Zeit ins Ausland oder eine andere Stadt verabschieden, kullert schließlich auch bei uns die ein oder andere Träne.

Jesus ebnete mit seiner Kreuzigung und Auferstehung den Weg zum ewigen Leben und verabschiedet sich nun vor den Augen seiner Anhänger, körperlich unversehrt, in eben jenes. Zwar schwingt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit, dennoch sind dabei wohl Zweifel auf Dauer nicht ausgeschlossen. Ich möchte hier das Bild der Wolke aufgreifen, in der Jesus laut Apg 1,9 emporgetragen wird: "Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen."
Eine Wolke verdeckt zwar das direkte Sonnenlicht, doch spürt man einen Teil seiner Kraft und Wärme auch durch sie hindurch. Man kann die Sonne zwar nicht immer sehen, doch weiß man stets, dass man ihr das Tageslicht verdankt.

Auf dass in Zeiten des Haderns euer Glaube die Zweifel überstrahlt! Haltet die Ohren steif.

Jena, den 13.05.2018

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja, halleluja!

Osterfreude ist bei mir untrennbar mit diesem Osterruf und Kanon verknüpft. Als ökumenische Gemeinde singen wir unsere Osterfreude mehrstimmig in den Ostermorgen, während die Sonne aufgeht.

„Dies ist nun das Leben. Es kommt nicht irgendwann einmal, wenn diese und diese und diese (vom Leben gestellten) Bedingungen erfüllt sind." (Klepper, 1934, S. 176)

 

Frühlingsbote

Jesus fasziniert und inspiriert mich. Er lässt sich von mir in keine Schublade schieben. Ich kann ihn nicht fassen. Er beweist sich nicht. Er begegnet offen und anerkennend allen Menschen und bricht so gesellschaftliche Zuschreibungen auf. Er befreit uns zu leben und zu lieben. Zu gern und zu oft überhören und überlesen wir die Radikalität seiner Botschaft. Wir klammern uns ängstlich an irgendwelche vermeintlichen Sicherheiten. Unser Vertrauen in Gott ist häufig klein. Auferstehung ist Versöhnung und Leben auch jetzt schon: versöhnt sein mit sich, mit anderen und mit Gott. Wagen wir es aus freien Stücken zu glauben, zu vertrauen und zu leben?! Gott geht es um dich ganz persönlich, um eine ganzheitliche Heilung von dir von innen heraus. Sie hat sich mit dir versöhnt und wartet darauf, dass du es auch tust, ihr Geschenk an dich annimmst. Er liebt dich. Ja, du bist gemeint.

Klepper, J. (1956). Unter dem Schatten deiner Flügel. Aus den Tagebüchern der Jahre 1932-1942 von Jochen Klepper. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt.

Lissabon, den 01.04.2018

Christen sind Kinder ihrer Zeit. Wir leben in der Welt und sind Teil dieser Welt. Was hat es für uns zu bedeuten, wenn andere Mythen unser Leben viel stärker prägen als das Christ sein? Schaffen wir uns ab?

Es ist eine Menschheit, die keinen Gott mehr braucht, da sie Sinn und Werte in jedem Menschen selbst findet und sucht. „Hör auf dein Herz“ ist der Spruch des liberalen Humanismus. Sie brauchen keinen Gott, da sie glauben ihre Probleme selbst lösen zu können. Vielleicht werden in Zukunft die Menschen überflüssig und die Algorithmen werden uns besser kennen als wir uns selbst kennen. Die überflüssige Masse wird nichts mehr wert sein, hat keine wirtschaftlich wertgeschätzte Arbeit mehr, da künstliche Intelligenz, „optimierte“ Menschen und Algorithmen es besser sowie effizienter können.

Was kann uns Gott noch sagen in einer Zeit, in der seine Autorität nicht mehr anerkannt wird? Warum richten wir dennoch den Blick nach oben?

Wir meinen in vielen Bereichen die Begrenztheit der Menschen zu erkennen. Unser Leben prägen unauflösbare Gegensätze, die trotz aller Wissenschaft und Technologie erst Gott auflösen wird. Wir vertrauen und hoffen auf Gott, da er die Liebe ist. Wir ahnen, dort ist etwas, das größer ist als wir. Wir wollen die Welt durch eine christliche Brille hindurch verstehen und deuten. Solange Menschen das noch tun, solange bleibt unser Gott für uns und in uns lebendig. Wir treten ein für unsere Wertvorstellungen, dass jeder Mensch mit seiner unsterblichen Seele gleich, geliebt und wertvoll ist für Gott. Wir stellen in Frage, ob der Mensch bis ins letzte berechenbar ist.

Jena, den 21.03.2018, Studierende aus der ESG Jena

Gedanken zu dem Buch und aus dem Buch:

Harari, Y. N. (2017). Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen (1. Aufl.). München: C.H.Beck.