Der Ehrgeiz hat ich gepackt. Ich will weiter und immer weiter. Ich fahre durch eine Wüste von abgeernteten Feldern. Mein gutes Fahrrad gleitet auf dem Asphalt dahin. Es fühlt sich an wie weiche Butter zu zerschneiden. Es wird flacher und flacher. Auf die letzte Erhebung fuhr ich gestern. Ohne Gnade zieht die Sonne das Wasser aus mir heraus. Keine Wolke ist am Himmel. Die Sonne sticht und verbrennt die Haut. Meine Gedanken sind sehr einfach: „weiter, weiter“.

So langsam wünschte ich, ich wäre nicht allein auf dieser Reise. Was ist all die Schönheit der Welt, wenn ich sie mit niemandem teilen kann, die Erfahrung ausdrücken?!: Der Regenbogen unter der Bewässerungsanlage, die Sonnenblumen am Wegesrand … An so vielen Orten komme ich tagtäglich vorbei ohne zu verweilen, ohne sie intensiver wahrzunehmen. Der Weg ist meine Heimat.

ein Ort um sein Haupt zu betten, alle sieben Sachen, Frühstückschaos

Ich glaube, alleine reisen ist vor allem eine mentale Herausforderung. Man darf nie aufgeben, verzweifeln etc.. Man muss immer an sich glauben, dass man es schafft, die Situation zu bewältigen. Es ist ein unbedingter Wille, der mich vorwärtsdrängt. Ich bin bis ins Mark erschöpft. Ich komme kaum noch vorwärts und gewinne an Tempo nur auf langen geraden Strecken.

Pausentag: Jeder Tag ist eine Reise ins Ungewisse. Das ist das Leben aller Menschen.Ohne Vertrauen geht es nicht. Es geht nicht ohne Vertrauen, dass es schon klappen wird – ich nenne es Gottvertrauen.

Noch bevor ich das Meer sah, hörte ich die Möven. Noch bevor ich Gott danken konnte für all das Gute und Schöne in meinem Leben und dass ich es bis hier her geschafft hatte, spielten die Glocken einer Flensburger Kirche Nun danken alle Gott. Jetzt sitze ich hier und die Wellen liebkosen den Sandstrand sowie ich lasse mir mein Mittagessen schmecken. Es ist wunderbar wieder am Meer zu sein!

Jena, den 11.09.2019

Unterwegs auf dem Harzer Klosterwanderweg

„Pilgern ist nicht wandern – da bin ich genau“ sagt unsere Studierendenpfarrerin. Was ist dann aber Pilgern? Circa 39 bzw. 59 Kilometer waren wir, 18 Pilger*innen aus Weimar und Jena, am letzten Maiwochenende auf dem Harzer Klosterwanderweg unterwegs. Schweigend sind wir ganz bei uns. Ein Bibelvers lädt in der Stille des schweigenden Gehens zum Nachdenken ein. Wir schenken unserer Umgebung unsere Aufmerksamkeit. Redend und lachend begegnen wir einander. Wir lernen uns näher kennen. Glücklich, aber mit müden Füßen und verschwitzt kommen wir in der Herberge an. Singend sowie betend beschließen wir den Tag. Nicht das Ziel ist das Ziel, sondern der Weg. Pilgern ist ein Innehalten vom Alltag. Wir gewinnen neue Perspektiven auf denselben. Wir tanken Energie auf während wir Belastendes ablegen. Pilgern heißt unterwegs sein mit Gott und auf seine Wege vertrauen, auch wenn sie uns persönlich manchmal wie Umwege vorkommen - uns sich ihr Sinn erst mit Abstand erschließt. Wehmütig blicken wir auf ein eindrucksvolles Wochenende zurück und freuen uns auf das nächste Mal!

Jena, den 27.05.2018

 

Vergangenen Donnerstag feierten wir Christi Himmelfahrt. Das Ereignis wird in den biblischen Texten sehr postitiv geschildert, doch ich kann mir vorstellen, dass bei den Menschen vor Ort eine Menge Wehmut mitschwang. Nachdem Jesu (vorläufig) physischer Tod und seine Auferstehung einige Zeit zurücklag, hieß es nun, sich erneut zu verabschieden. Wieder hieß es, sich mit seiner physischen Abwesenheit abzufinden, wieder blieben Menschen mit Fragen, in eine unbekannte Zukunft blickend, zurück. Wenn wir Freunde für ungewisse Zeit ins Ausland oder eine andere Stadt verabschieden, kullert schließlich auch bei uns die ein oder andere Träne.

Jesus ebnete mit seiner Kreuzigung und Auferstehung den Weg zum ewigen Leben und verabschiedet sich nun vor den Augen seiner Anhänger, körperlich unversehrt, in eben jenes. Zwar schwingt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit, dennoch sind dabei wohl Zweifel auf Dauer nicht ausgeschlossen. Ich möchte hier das Bild der Wolke aufgreifen, in der Jesus laut Apg 1,9 emporgetragen wird: "Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen."
Eine Wolke verdeckt zwar das direkte Sonnenlicht, doch spürt man einen Teil seiner Kraft und Wärme auch durch sie hindurch. Man kann die Sonne zwar nicht immer sehen, doch weiß man stets, dass man ihr das Tageslicht verdankt.

Auf dass in Zeiten des Haderns euer Glaube die Zweifel überstrahlt! Haltet die Ohren steif.

Jena, den 13.05.2018